Home Forschung und Entwicklung Funkendes Getreide

Funkendes Getreide

Drucken
Korndummies von Microsensys

Die Universität Göttingen setzt für die Rückverfolgung von Getreide auf RFID-Korndummies von Microsensys

Im Rahmen des Projektes „Nutzung von RFID zur Rückverfolgung landwirtschaftlicher Produkte am Beispiel von Getreide" an der Universität Göttingen, Department für Nutzpflanzenwissenschaften, erfolgt im Zuge eines Kontrollsystems für Getreide ein Zusatz von "Korndummies" in Form gekapselter RFID-Transponder, um die gesamte Produktions- und Lieferkette überprüfen zu können. „Momentan ist das System noch in der Testphase und wir führen Versuche in unserem Technikum durch. Den Ablauf entlang der Transportkette des Getreides kann noch nicht konkret geschildert werden, weil noch keine praktischen Erfahrungen in einem Unternehmen vorliegen", resümiert Ulrich Steinmeier, Abteilung Agrartechnik, auf Nachfrage von „RFID im Blick".

Ziel sei es, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem ein gekapselter RFID-Transponder innerhalb der Verfahrenskette ausgelesen und mit Informationen beschrieben werden kann. Des Weiteren ist eine Methode in Arbeit, mit deren Hilfe die gekapselten Transponder, die sogennanten Dummys aus dem Getreide vor der Verarbeitung selektiert werden können. Das Verfahren sollte sich leicht in herkömmliche Separierungstechnik der Mühlen und Mischfutterwerke integrieren lassen. Der erste Einsatz des Verfahrens sei in der Bohlsener Mühle, einem Mühlenbetrieb für Biogetreide, geplant.

Das Projekt startete im Mai 2007 und wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Offizielles Ende des Projekts sei für Mai 2010 vorgesehen. „Im Zuge einer Zwischenbegutachtung wurde auch ein Antrag auf eine zweijährige Verlängerung gestellt. Für diesen Antrag liegt das Ergebnis noch nicht vor", so Steinmeier.

Lieferant für die RFID-Tags, -Lesegeräte und -Software ist Microsensys. Für den Praxiseinsatz und um eine originale Abbildung der Transportkette des Getreides einzusehen, ist die Bohlsener Mühle Partner im Projekt. Zudem unterstützt der Bundesverband Naturkost Naturwaren - Fachverband für ökologisch erzeugte Lebensmittel mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Bekanntmachung in Ihrer Zeitschrift die Forschungsarbeiten der Universität Göttingen. Weitere zukünftige Projektpartner sind geplant, dürfen aber laut Steinmeier noch nicht genannt werden.

„Es gibt durchaus Überlegungen in unserem Haus dieses System für andere Arten von Schüttgütern, mit einem etwas anderen Anwendungsfeld, anzupassen. Priorität hat aber momentan der Bereich Getreide", erläutert Steinmeier.

Das erste Ziel ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die gekapselten RFID-Transponder (Korndummies) sicher ausgelesen und beschrieben werden können, ist mittlerweile erreicht worden. Die Aufgabe war es bei einer kurzen Lesereichweite der RFID-Transponder, die RFID-Korndummies aus dem Getreide nah an das Lese-/Schreibgerät zu bringen. Das Verfahren basiert auf einem Metalldetektor der Firma Cassel, der die Korndummies und andere Metalle im Produktstrom identifiziert und über eine Auswurfklappe separiert. Zum Auslesen der RFID-Transponder in den Korndummies werden diese nach dem Auswurf vereinzelt und dicht am Lesegerät vorbeigeführt. Die Separier- und Leseeinrichtung wurde anlässlich der Hannover Messe 2008 auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Niedersachsen ausgestellt.

Vorversuche in der Praxis auf dem Versuchsgut der Universität Göttingen haben gezeigt, dass das Bestimmen der notwendigen Konzentration an Korndummies je Mengeneinheit zunächst im Labormaßstab stattfinden muss. Ferner wurde die Entnahme von Getreide aus einem Silo mit Kernflusseigenschaften als großes Vermischungspotential von unterschiedlichen Partien identifiziert. Daraufhin wurde ein zwei Meter hohes Versuchssilo mit einer rechteckigen Grundfläche entworfen.

Durch unterschiedliche Trichterwinkel des Silos lassen sich Kernfluss und Massenfluss simulieren. Der Massenfluss ist für die Rückverfolgung von besonderem Vorteil, da beim Entleeren das gesamte Getreide im Silo in gleichmäßige Bewegung gerät. Beim Kernfluss ist während des Entleerens hauptsächlich das Getreide über der Auslauföffnung in Bewegung. Dies führt zu einer starken Vermischung unterschiedlicher Getreidepartien. Erste Ergebnisse der Versuche zeigen eine geringe Irrtumswahrscheinlichkeit (≤ 9 Prozent) der Korndummies bei der Markierung von Getreidepartien in dem Kernflusssilo.

Bild: Georg-August-Universität Göttingen, Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Agrartechnik

 

Marktplatz

MICROSENSYS GmbH

Kontakt: Reinhard Jurisch
Tel.: (+49) 361-59874 0

Interviews

Klaus Finkenzeller im Interview

Klaus Finkenzeller im Interview


„Den 'Finkenzeller' schon gelesen?" - lautet eine übliche Frage unter Studenten RFID-Technik- releva...